Mrz 14, 2013
Wolfgang Günther

Der deutsche Schlager

Als ich noch unterrichtet habe, war ich immer überrascht, dass meine Schüler die Texte vieler Lieder aus meiner Jugend auswendig konnten, seien es Marianne Rosenberg, Gitte Hanning, Connie Francis oder Michael Holm. Ich dachte immer, nur wir Alten würden aus nostalgischen Gründen Schlager hören, aber scheinbar ist es immer mal wieder “in”, auch solche Sachen zu hören. Beim HR konnte man ja heute im TV Programm um 20.15 das “Schlagerrad” sehen, präsentiert von der charmanten Ruth Moschner. Ich frage mich wirklich, wie viele junge Leute da auch vor dem Fernseher sitzen, aber es sind bestimmt nicht allzu wenige, denn würde man die Sendung sonst nicht vom altehrwürdigen (meine Generation wird sich erinnern) Ilja Richter moderieren lassen?

Marianne Rosenberg by Marco Maas from Hamburg, Germany (NDR_SoTou_MV_Wismar_0693, via Wikimedia Commons

Sowieso ist der Schlager meines Erachtens eine etwas unterschätzte Musikgattung. Natürlich sind die Texte nicht unbedingt gesellschaftskritisch oder “tief”, aber dafür sind sie auch nicht jugendgefährdend, so wie dieser Hip Hop oder Heavy Metal. Diese Musikrichtung transferiert Gefühle, die von alt und jung scheinbar gleichermassen ersehnt werden, sonst wüssten die Jugendlichen ja die Texte gar nicht. Und es gibt ja auch in den Charts immer mehr deutsche Lieder. Gruppen wie Silbermond oder Juli, oder auch Rosenstolz, die ich auch sehr gerne höre – trotz meines Alters – haben es bestimmt auch dem Schlager zu verdanken, dass sie so erfolgreich sind.

Bevor man eine Musikrichtung komplett abschreibt, also ihr jegliches Existenzrecht abspricht, sollte man sich einmal vor Augen führen, inwiefern fremdsprachliche Musik nicht sehr ähnlich sind: Wer einmal “Sie liebt dich” von den Beatles gehört hat, wird verstehen, was ich meine.

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